Als Tierarzt und Tierfreund richtet man seine Interessen auch im Urlaub auf die Fauna. Nicht immer absichtlich, aber ganz egal wo man sich auch befindet, ob am Meer, in den Bergen und selbst am Nordpol oder in der Wüste begegnen einem so viele verschiedene Tiere, dass man gar nicht umhin kann, sie zu beobachten und zu erforschen.
Meist wähle ich meine Urlausziele aber ganz bewusst nach möglichen Erlebnissen mit Tieren aus. So hält mich im Urlaub nur wenig in meinem Sylt Hotel, denn ich will so viele Tiere wie möglich sehen. Auf Sylt sind zum Beispiel über 300 Vögel beheimatet und auch die Natur ist zauberhaft. Eine der größten Wanderdünen Deutschlands ist hier zu finden. Und so habe ich schon viele Male im Hotel Darß auf der Insel Rügen mein Urlaubsquartier aufgeschlagen, um während der Kranichzeit das Verhalten und die Schönheit dieser Glücksvögel zu beobachten. Die Kraniche kommen immer im Winter von Schweden, Norwegen oder Finnland in großen Scharen auf die Insel, um dort ihr Winterquartier aufzuschlagen. Manche fliegen auch weiter bis nach Italien oder Spanien, sie folgen dabei ihrem eigenen, angeborenen Navigationssystem.
Der große Kranichzug beginnt jeweils im Oktober, wenn die meisten Urlauber schon wieder von der Insel verschwunden sind und zu Hause ihre Sommerdecken gegen dicke Daunendecken tauschen. Insofern ist es doppelt schön! Auch die meisten Hotels und Pensionen, die nur auf Sommerbetrieb ausgerichtet sind, werden dann geschlossen. Nur einige Hotels, Restaurants und Geschäfte bleiben dann geöffnet, aber dafür hat man die Strände und die Natur fast für sich allein. Die meisten Leute, die jetzt hierher kommen, wollen die Ruhe und die Natur genießen oder, so wie ich, die Kraniche beobachten. Um diese Vögel gut zu beobachten, sie aber nicht an ihren Brutplätzen zu stören, muss man sich auf jeden Fall an die Anweisungen der Naturschützer halten. Denn im Grunde ist die ganze Insel – wie andre Ostseeinseln auch – ein großes Vogelschutzgebiet. Am besten fragt man nach, wo man gerade die meisten Vögel beobachten kann. Manchmal werden sogar Fahrten oder Wanderungen dorthin organisiert.
Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert, mit welcher Anmut und Grazie sich diese Tiere an Land bewegen und in der Luft formatieren. Schade, dass sie sehr menschenscheu sind und man sie nie aus der Nähe zu sehen bekommt. Selbst mir als Tierarzt war es noch nicht vergönnt, einmal einen solchen Vogel zu berühren. Und so werden sie mich auch in den nächsten Jahren weiter aus der Ferne faszinieren.